Mein Video Setup für Online Veranstaltungen

Als zu Beginn des Sommersemesters 2020 klar wurde, dass alle Veranstaltungen online abgehalten werden sollten, musste schnell eine Lösung her um dies zu erreichen. Im mittlerweile dritten Semester Online-Unterricht habe ich viel dazu gelernt und mein Setup weiter ausgebaut.

Mein Remote Arbeitsplatz

Am Anfange stand die Suche nach dem richtigen Platz. Ich wollte gerne weiterhin die Möglichkeit haben, eine Tafel oder ein Whiteboard zu benutzen. Damit kann ich schnell und einfach handschriftliche Notizen, Formeln oder Skizzen in der Veranstaltung zeigen. In meiner Bastelwerkstatt hatte ich zumindest den Platz und eine freie Wand, um meine Technik, Beleuchtung und ein Whiteboard aufzubauen. Die Kamera sollte im richtigen Abstand, möglichst auf Augenhöhe platziert sein. Außerdem ist ein zusätzlicher Monitor nützlich, Platz für Maus und Stifte musste auch noch sein und die Beleuchtung war auch noch unterzubringen. Damit alles seinen Platz hat und in der richtigen Höhe steht, habe ich nach ein wenig experimentieren eine Art Regal gebaut, in dem ich alles unterbringen konnte. Das Holz stammt von einem ausgedienten Schrank eines schwedischen Möbelherstellers und war somit äußerst günstig zu haben.

Die Höhen können auf Bedarf angepasst werden. So entsteht genug Platz und die erstaunlich vielen Kabel und Netzteile können bequem in der untersten Ebene versteckt werden. Zur Beleuchtung (nicht im Bild) habe ich ein eine Neewer LED-Softbox an die Decke geschraubt. Nachdem der Platz gefunden und alles untergebracht war galt es als nächstes, sich um die technische Umsetzung zu kümmern und den Arbeitsplatz weiter auszubauen.

Die Technik

Mein System zum Aufzeichnen von Lehrvideos und für den synchronen Unterricht via Zoom besteht im wesentlichen aus folgenden Komponenten:

  • Sony Alpha 6000 mit Stativ und Stromversorgung
  • Apple MacBook Pro mit M1 Chip
  • Targus 190 EUZ Docking Station
  • Blackmagic Design ATEM Mini Videomischer
  • iPad mit Apple Pencil
  • Rode Lavalier Mikrophon

Warum und wie ich diese Technik verwende wird in den folgenden Abschnitten erläutert.

Mein Problem mit Zoom & Co

Normalerweise verwende ich für meinen Unterricht Powerpoint. Für mich sind die an die Wand geworfenen Folien aber eher unterstützender Natur. Dort findet sich kaum bis gar kein Text, sondern eher Bilder, die Interesse wecken und eine zusätzliche Verknüpfung im Gehirn erzeugen, um sich den Stoff besser merken zu können. Auch für Abbildungen, Tabellen, Beispielbilder oder komplexeren Darstellungen, die man nicht ohne weiteres an der Tafel reproduzieren kann, sind Folien gut geeignet. Da ich in meinem Unterricht häufig Beispielaufgaben bearbeiten lasse, nutze ich auch Folien, um diese Aufgaben für alle gut lesbar und gleichzeitig zur Verfügung zu stellen.

Im Prinzip funktioniert das auch online. Manche Systeme, wie z.B. Big Blue Button sind auch direkt darauf ausgelegt: hier stehen Folien im eigentlichen Zentrum, die Teilnehmer werden zur Nebensache. Ich verwende fast ausschließlich Zoom für meine synchronen online-Unterrichtseinheiten. Hier stehen eher die Teilnehmer im Zentrum, was sich besonders gut für Diskussionen eignet. Möchte man aber trotzdem Powerpoint verwenden, kann dies leicht über die Bildschirmfreigabe erreicht werden. Die Sache hat nur einen Haken: beim Wechsel zur Bildschirmfreigabe, ändert sich die Darstellung von Zoom: der freigegebene Inhalt steht jetzt wieder im Mittelpunkt, die Teilnehmer werden im wahrsten Sinne zur Nebensache. Manchmal muss man sogar noch extra tätig werden, um die restlichen Teilnehmer überhaupt noch sehen zu können. 

Der Wechsel zwischen Bildschirmfreigabe und Normalmodus erfordert eine gewisse Zeit und stört den Fluss der Veranstaltung. In vielen Veranstaltungen habe ich erlebt, dass die Bildschirmfreigabe einfach während der ganzen Veranstaltung beibehalten wird. Ab diesem Zeitpunkt wird die Veranstaltung eher statisch: der Bildschirm ist von Folien ausgefüllt, häufig mit viel Text und es ändert sich nur wenig. Ich wollte meine Veranstaltungen dynamischer gestalten, den Folien-Blick vermeiden und die Zoom-Müdigkeit noch etwas hinauszögern. Außerdem verwende ich auch gerne noch ein Whiteboard, so wie ich es auch im Präsenzunterricht tun würde. Deshalb müsste ich ständig zwischen Folien und Kamera hin und her schalten.

Der erste Versuch mit OBS

Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt nicht nur das tatsächliche Kamerabild in Zoom einzuspeisen, sondern wahlweise auch Folien, handschriftliche Anmerkungen, Filme und ähnliches über die Kamera über Zoom wiederzugeben. Im Prinzip kann dies sehr flexibel und kostenlos mit Hilfe der Software OBS Studio (Open Broadcaster Software) erreicht werden. OBS ist vor allem bei Live-Streamern sehr beliebt und es gibt entsprechend viele Tutorials und Anleitungen für den kreativen Einsatz von OBS und Zoom.Ich war auch von den Möglichkeiten begeistert, doch leider verfügte mein Rechner nicht über die notwendige Leistung um Kamera, Zoom OBS, Powerpoint usw. gleichzeitig flüssig laufen zu lassen. Darüber hinaus hat sich die Komplexität und Anzahl meiner Fenster auf meinem Bildschirm so weit erhöht, dass ich mich nach einer anderen Lösung umgesehen habe.

Meine aktuelles Setup mit Blackmagic ATEM Mini

Neben der ungenügenden Rechenleistung für OBS ergab sich noch ein weiteres Problem: meine Webcam war zwar ganz in Ordnung, allerdings verlor sie öfter den Fokus während des Unterrichts und auch die Bildqualität insgesamt ließ zu wünschen. Nach einiger Recherche habe ich mir folgendes System zusammengestellt:Als Kamera verwende ich eine Sony Alpha 6000. Sie verfügt über eine Gesichtserkennung für den Fokus, manuellen Zoom und Blende und Belichtungszeit kann genau eingestellt werden. Das Video-Signal der Kamera geht über HDMI in ein „Blackmagic Design ATEM Mini“ Videomischsystem. Dieser Videomischer bildet das Kernstück meines Video-Setups und verfügt über viele verschiedene und nützliche Funktionen. Der ATEM mini wird über USB an den Rechner angeschlossen (MacBook Pro mit M1 Chip) und dort als Webcam erkannt. Außerdem benutze ich für den Ton ein Rode Ansteckmikrofon, welches über einen Mikrofoneingang ebenfalls am ATEM Mini angeschlossen wird.

Der Rechner wird an eine Dockingstation mit 2 DisplayLink-fähigen Videoausgängen angeschlossen. Ein Videoausgang geht auf einen Monitor, der zweite Videoausgang wird ebenfalls an den ATEM Mini angeschlossen. Für handschriftliche Notizen und als Kontrollmonitor wird noch ein iPad über USB verbunden. Mit einem Video-Adapter könnte das iPad ebenfalls noch über HDMI mit dem ATEM Mini verbunden werden.
Aktuell verwende ich die einzelnen Komponenten wie folgt:

  • der externe Monitor dient zur Anzeige von Zoom und evtl. noch zusätzlichen Programmen.
  • das MacBook Display zeigt die Referenten-Ansicht von Powerpoint.
  • der ATEM Mini wird als externer Monitor vom System erkannt, auf dem die Bildschirmpräsentation von Powerpoint läuft, oder Videos wiedergegeben werden können.
  • das iPad wird als Airplay Monitor verwendet und die Ausgabe auf den ATEM Mini auf das iPad dupliziert:

So sieht die Konfiguration der einzelnen Monitore aus:

Wenn alles läuft, bietet sich mir folgendes Bild:

Der ATEM-Videomischer erlaubt es mir bequem zwischen den einzelnen Einstellungen umzuschalten (Kamerabild oder Video-Ausgang des MacBooks). Dabei hat man noch viel mehr Möglichkeiten, was z.B. Blendeneffekte und ähnliches betrifft. Ich habe den Picture-in-Picture Modus so eingestellt, dass ich das Bild von meinem zweiten Videoausgang in mein Kamerabild einblenden kann. Mit Hilfe des Stifts kann ich auf dem iPad direkt handschriftliche Notizen auf den Folien einfügen. Per Knopfdruck auf dem ATEM Mini kann dieser Modus auch jederzeit wieder abgeschaltet werden. Auch die Mikrophoneingänge können über den ATEM Mini gesteuert werden.

In Zoom sieht das dann z.B. so aus:

Was sonst noch möglich ist

Dieses Setup würde noch viel mehr erlauben, vor allem kann man mit Hilfe der ATEM Steuerungssoftware noch viel mehr Einstellungen vornehmen und auch mehr Effekte verwenden. Allerdings steigt damit dann auch die Komplexität der Bedienung während der Veranstaltung an. Allerdings gibt es die Möglichkeit, Bilder im ATEM Mini zu hinterlegen und auf Knopfdruck einzublenden. Ich nutze das hauptsächlich, um die Pause damit einzuläuten. Auf meinem iPad-Monitor lasse ich ein Countdown-Video ablaufen, welches dann über das Bild geblendet werden kann:

Man kann auch zusammen mit dem Greenscreen die komplette Powerpoint Präsentation oder Videos als Hintergrund ablaufen lassen. Es gibt noch viele Möglichkeiten, auch in Kombination mit OBS, die man hier noch ausprobieren könnte.

… wenn man doch nur die Zeit hätte…

1 Kommentar zu „Mein Video Setup für Online Veranstaltungen“

  1. Viehhauser, Peter

    Vielen Dank für die detailierten Infos,
    es ist in der Tat eher ein Zeitproblem das alles vorzubereiten, beschreiben etc.
    Wir im roteg haben den Fokus auf das „online-Praktikum“ gelegt und uns deswegen auch für die Funkübertragung des HDMI – Signals stark gemacht.
    Wir können ziemlich einfach die verschiedenen Arbeitsbereiche ereichen usw.
    Allerdings ist die „Manpower“ ziemlich groß, man kann das nicht alleine stemmen.
    Insgesamt spannend aber schon sehr weit weg von unseren eigentlichen Kernaufgaben.
    Aber so ist es halt in „besondern“ Zeiten.
    Wenn man doch nur die Zeit hätte….

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