Video Setup 2021/2022

Mein Video Setup 2021/2022

In den letzten Monaten haben ich an vielen Online Veranstaltungen teilgenommen und selbst viele Unterrichtseinheiten über Zoom durchgeführt. Zunächst war ich erstaunt, wie anstrengend diese Veranstaltungen sein können und wie ermüdend es ist, so lange auf einen statischen Bildschirm zu blicken.

Mein neues Video Setup für Zoom 2021/2022

Um etwas mehr Dynamik in den Vortrags-teil einer Online-Veranstaltung zu bringen wollte ich weg vom klassischen „Folien-Teilen“ und die Video-Übertragung ansprechender gestalten. Dazu habe ich mein Video-Setup immer weiter ausgebaut und verbessert. in diesem Beitrag beschreibe ich kurz den akutellen Stand, der sich mittlerweile gut eingespielt hat.

Beim Zusammenstellen meines Video-Setups waren folgende Punkte für mich besonders wichtig:

  • hohe Bild- und Tonqualität
  • Darstellung von Inhalten im Hintergrund (mittels Green-Screen)
  • Augenkontakt mit den Teilnehmern
  • Flexibilität und Abwechslung bei der Darstellung

Hardware

Kamera

Ich war zwar Anfangs mit meiner Webcam recht zufrieden, allerdings hatte ich ein paar Probleme mit ihr. Einstellungen wie Helligkeit und Belichtungsdauer konnten manuell kaum oder gar nicht angepasst werden. Die Bildqualität hat mich auch nicht überzeugt. Am schlimmsten war aber, dass sich häufig der Fokus der Kamera verstellt hatte und dann alles unscharf war. Dann half nur die Kamera aus- und wieder einzuschalten.

Ich wollte eine professionellere Kamera haben, die eine bessere Bildqualität liefert und bei der alle Einstellungen manuell vorgenommen werden können. Wichtig ist, dass die Kamera ein „sauberes“ HDMI-Signal liefert (clean-HDMI), bei dem nur das Bild und keine zusätzlichen Informationen, die sonst auf dem Kameradisplay zu sehen sind, übertragen wird. Eine Übersicht über geeignete Kameras findet man z.B. bei Elgato. Ich habe mich für die Sony Alpha 6000 entschieden.

Video

Um das HDMI-Signal verarbeiten zu können, benötigt man ein entsprechendes Gerät (Video-Capturing-Device), welches häufig wie eine Webcam per USB an den Rechner angeschlossen wird. Da ich noch weitere HDMI-Videosignale verarbeiten wollte, habe ich mich für den Video-Mischer „ATEM Mini“ von Blackmagic Design entschieden.

Blackmagic Design Atem mini

Mit diesem Gerät kann man nicht nur zwischen verschiedenen Videosignalen umschalten, sondern auch zwischen verschiedenen Übergängen wählen, Bild-in-Bild Modus verwenden, Farbgeneratoren und Standbilder ausgeben. Auch Keying ist möglich, man kann also direkt in der Hardware den Hintergrund (z.B. Greenscreen) durch ein anderes Videosignal ersetzen.

Darüber hinaus kann man bis zu zwei separate Mikrofone am ATEM Mini anschließen und für jedes Audiosignal steht in der Steuerung ein Equalizer zur Verfügung.

Audio

Als Mikrofon verwende ich ein „Rode Lavalier Go“ zusammen mit dem Übertragungssystem „Rode Wireless Go“. Dieses Mikrofon liefert eine gute Qualität und durch das drahtlos-System gewinnt man Bewegungsfreiheit. Ich schließe dieses Mikrofon an das ATEM-Mini. Dadurch kann man es direkt an diesem Gerät zu- oder wegschalten, die Pegel einstellen und auch ein Equalizer steht zur Verfügung.

Teleprompter

Ich möchte den Student:innen das Gefühl geben, dass ich sie direkt anspreche. Allerdings muss ich auch häufig auf meinen Monitor sehen, den ich zunächst sehr nahe unter der Kamera angebracht hatte. Trotzdem sah es oft so aus, als würde ich in die falsche Richtung sehen. Deshalb habe ich einen Teleprompter aufgebaut (Glide Gear TMP 100 und Lilliput A7s Field Monitor). Ein HDMI-Splitter verdoppelt das Ausgangs-Signal meines Laptops und gibt das Bild gleichzeitig auf einen Monitor und den Teleprompter.

Links: Kamera und Teleprompter.

Stream Deck

Das schöne am ATEM-mini ist, dass ich die Video- und Audiosignale direkt an einem externen Gerät kontrollieren kann. Da ich aber noch verschiedene Software-Funktionalitäten einsetze, die ich nur über den Laptop steuern kann, habe ich noch ein Elgato Stream Deck angeschlossen. Mehr dazu weiter unten.

Elgato Stream Deck

Rechner

Mein Rechner ist ein MacBook Pro mit M1 Chip. Dieses Gerät verfügt über ausreichend Leistung, um mit all den von mir gestellten Anforderungen fertig zu werden. Darüber hinaus ist es ungeheuer praktisch, hat eine sehr lange Batterielaufzeit und ist sehr leise: ich war mir lange nicht sicher, ob das Gerät überhaupt einen Lüfter hat. Der Lüfter ist in einem Jahr bisher nur einmal (!) angegangen, als ich ein paar Videos transcodiert habe.

MacBook Pro, iPad, Teleprompter

Als Ergänzung und zum handschriftlichen Arbeiten habe ich ein iPad mit dem Apple Pencil und HDMI-out Adapter.

Docking Station

Mit all der Hardware kommt auch einiges an Kabeln zusammen. Leider hat das MacBook Pro nur zwei Thunderbolt Anschlüsse. Außerdem unterstützt der M1 Chip nur einen (warum?) externen Monitor. Mehr Monitore gibt es nur mit „DisplayLink“ kompatiblen Produkten, wie dem Targus DOCK190EUZ. Dieses Dock bietet zwei separate HDMI bzw. Display-Port Ausgänge, einen LAN-Anschluss und genug USB-Anschlüsse für alle anderen Geräte. Dafür kann ich das MacBook mit nur einem USB-C Kabel an das Dock anschließen und es ist voll versorgt (auch mit Strom).

Software

OBS

Bild und Ton aus dem ATEM mini werden nicht direkt an Zoom weitergegeben (was möglich wäre), sonder vorher noch in die Open Broadcaster Software geleitet. Ich nutze die Möglichkeiten von OBS um noch zusätzliche Elemente zu überlagern oder Videos zu zeigen. Wenn ich zum Beispiel eine Abstimmung beende, blende ich einen kurzen Timer ein. Auch Pausenzeiten können auf diese Weise mit einem Timer gut eingehalten werden.
OBS hilft mir auch, Videos direkt in Zoom über das Videobild zu übertragen. Um den Ton von OBS nach Zoom zu spielen verwende ich VB-Cable.

OBS spielt gerade eine Sequenz ab, die läuft bevor die Veranstaltung beginnt.

ATEM Software Control

Um das Keying (Greenscreen) im ATEM mini richtig einzustellen, benötigt man ATEM Software Control. In dieser Software habe ich noch zusätzlich Makros für die Steuerung der Key-Position hinterlegt. Außerdem kann man mit Hilfe dieser Software Standbilder in das ATEM mini laden und auswählen. Diese Standbilder können bei Bedarf an Stelle anderer Videosignale gezeigt werden (wenn der Hintergrund einmal stört).

Stream Deck und Companion App

Mit dem Stream Deck kann man unter anderem OBS, Zoom und Powerpoint steuern. Leider gibt es (noch) kein Plugin für das ATEM mini. Es gibt aber Plugins für die Software Companion. Mit Companion kann man auch das Stream Deck direkt verwenden, eine Art Stream Deck Ersatz mit Hilfe eines Smartphones bauen und es verfügt über Plugins für das ATEM mini.

Goodnotes

Handschriftliche Notizen haben noch nie so gut ausgesehen wie mit Goodnotes. Die Software erkennt auch, ob der Bildschirm gerade geteilt bzw. per HDMI ausgegeben wird und schaltet in einen Präsentationsmodus, in dem die ganzen Werkzeuge für die Zuschauer nicht sichtbar sind.

Das ganze System

Wie ich in diesem Blog beschrieben habe, bevorzuge ich es die Inhalte ohne Bildschirmteilung, sondern im Hintergrund meines Kamerabildes zu präsentieren. Dazu habe ich einen HDMI-Ausgang meines MacBooks ebenfalls an den ATEM-Mini angeschlossen. Mit Hilfe eines Chroma-Keys kann ich dann mein Bild über die Video-Ausgabe (z.B. Powerpoint-Präsentation) legen. Mit Hilfe des Teleprompters kann ich auch immer sehen, wohin ich gerade deute während ich in die Kamera blicke.

Im Hintergrund läuft Powerpoint, dank Teleprompter habe ich alles im Blick.

Früher hatte ich ein Whiteboard, um schnell etwas handschriftlich zu ergänzen. Das funktioniert nun leider nicht mehr. Als Ersatz nutze ich mein iPad, welches ich ebenfalls per HDMI an den ATEM angeschlossen habe. So kann ich zwischen Powerpoint und virtuellem Whiteboard hin- und herschalten.

Schematische Darstellung, so hängt alles zusammen.

Damit ich an dieser Stelle die Inhalte nicht verdecke, habe ich Makros in der ATEM-Steuerung hinterlegt, die mein Bild verkleinern und mich entweder an den linken oder an den rechten Rand des Bildschirms verschieben. Mit Hilfe von Companion und dem Stream Deck kann ich dies ganz einfach per Knopfdruck erledigen.

Goodnotes im Hintergrund, Key klein und links unten.

Für Wartezeiten (Breakouts Enden, Abstimmung, Pause, Veranstaltung beginnt bald, Reflexionsphase), lege ich Videos mit Hilfe von OBS über das Kamerabild. Wenn ich Videos übertragen möchte, lege ich einzelne Szenen in OBS an und lasse dann dort das Video ablaufen. Auch hier nutze ich das Stream Deck um schnell auf die einzelnen Szenen zugreifen zu können. Dabei ist nur darauf zu achten, dass bei OBS die Audioeinstellungen (Monitor an) richtig sind und dass man bei Zoom den Originalton einschaltet, da sonst einiges aus dem Video herausgefiltert wird.

OBS zeigt 5 Minuten Pause: So weiß jeder, wann es wieder los geht.

Fazit

Es hat zwar ein paar Iterationen gebraucht um zu dem aktuellen Stand zu kommen, aber die Mühe hat sich gelohnt. Ich kann nun sehr flexibel zwischen handschriftlicher Erklärung, Folienpräsentation und Filmen wechseln und dank des Teleprompters trotzdem immer virtuellen Augenkontakt zu den Student:innen halten. Mich interessiert natürlich auch, wie Ihr Eure Online-Veranstaltungen technisch umsetzt.

3 Kommentare zu „Mein Video Setup 2021/2022“

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.